Lars Ulrich im Interview zum METALLICA-Konzertfilm THROUGH THE NEVER

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Lars Ulrich plaudert mit uns über den METALLICA-Konzertfilm THROUGH THE NEVER

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Metallica Through The Never - Lars Ulrich

Am 3. Oktober startet Metallicas exorbitant fetter Konzertfilm „Through The Never“ (den wir hier bereits besprochen haben) in den Kinos – und ihr könnt vor Ungeduld und Vorfreude vermutlich kaum noch schlafen, gebt’s doch zu! Auch wir sind heiß auf Metallicas Kino-Kracher und düsten deshalb nach Berlin, um Trommler Lars Ulrich ein bisschen über dieses ungewöhnliche Projekt auszuquetschen. Lest, wie es war!

Kaum im Berliner Nobel-Hotel angekommen, schlägt uns auch schon die erste schlechte Nachricht entgegen: „Wir haben leider einen Delay von anderthalb Stunden.“ Die einfache Begründung: Metallica haben im Hotel-Saal Frisbee gespielt. Das ist a) irgendwie niedlich, b) völlig okay, weil man auf Metallica zur Not auch drei Tage lang nackt in der Antarktis warten würde, aber c) leider nicht so optimal, wenn man ein Bahnticket mit Zugbindung gebucht hat. Aber vielleicht zahlt Lars ja im Zweifelsfall das neue Ticket, einfach mal fragen…

Im Hotel selbst steht, wie man sieht, alles unter dem Motto Metallica und „Through The Never„:

Metallica Through The Never

Im „Wartezimmer“ für die Presse sitzen mehrere sichtlich nervöse Herren in Metallica-Shirts, die gleich – in 6er-Gruppen zusammengepfercht – eins ihrer großen Idole treffen werden. Sogenannte Roundtable-Interviews, in denen mehrere Journalisten den Künstler 15 Minuten lang meist gleichzeitig mit Fragen bombardieren – einmal gemacht… und danach nie wieder. Wenn du in einer Gruppe aus Brigitte-, Petra- und anderen Frauenzeitschriften-Redakteurinnen sitzt, die Keanu Reeves nicht zu seinem neuen Film befragen, sondern lieber wissen wollen, warum er sich einen Bart hat wachsen lassen und wen er gerade datet, geht der Gehalt solcher Veranstaltungen gen Null. Aber das nur am Rande.

Und die Vorurteile werden bestätigt: Als eine mehrköpfige Gruppe aus dem Interviewraum kommt, sagt eine blonde, schick gekleidete junge Dame (sorry, Klischee pur) doch tatsächlich: „Ich weiß gar nicht, was die für Musik machen, aber der war ja total nett.“ Gut, es muss ja nicht jeder Metallica-Fan sein, aber wenn man ein Interview mit Lars Ulrich hat… hört man da nicht vorher mal wenigstens fünf Minuten in IRGENDEINEN ihrer Songs rein?! Beziehungsweise: Hat die vorher den Film gar nicht gesehen? Egal. So oder so: Danke, Metal-Gott, dass wir kein Roundtable-Interview haben.

Als es endlich in den prunkvollen Interview-Saal geht, sitzt Lars lässig am Tisch und hat vorsichtshalber die Schuhe ausgezogen. Sind vielleicht beim Frisbee-Spielen zu heiß gelaufen. Süß: seine bunten Ringelwollsöckchen. Da die Journalisten wegen des Verzugs in strengem Takt durch die Interviews getrieben werden, bleibt aber leider keine Zeit für weitere modische Beobachtungen. Also, rein ins Gefecht!

Lars Ulrich in seinem Element (Through The Never © Ascot Elite)

Lars Ulrich in seinem Element (Through The Never © Ascot Elite)

Lars, gestern war die Europapremiere von „Through The Never“ in Berlin – bist du zufrieden mit den Reaktionen? Und dem Film an sich?

„Also ich würde mal sagen, dass es ziemlich cool ist, dass so viele Leute auf ihn abgegangen sind. Wie ich den Film sehe, kann ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich sagen – lass uns noch mal drüber sprechen, wenn das nächste Album rauskommt. Im Moment habe ich absolut keine Distanz – die Weltpremiere war erst vor ein paar Tagen in Toronto, und ich nehme immer noch ein paar Änderungen am Sound vor. Bis jetzt war das aber schon mal ein guter Start, die Reaktionen gestern bei der deutschen Premiere waren spektakulär, die Leuten waren sehr leidenschaftlich, und auch heute höre ich den ganzen Tag nur positive Dinge, die ziemlich aufrichtig klingen.“

Metallica ist eine der größten, erfolgreichsten Bands der Welt. Aber ist nicht auch für euch ein 32 Millionen teurer Konzertfilm ein ziemlich großes Risiko?

Ich habe heute schon viele verschiedene Zahlen gehört, und jede davon war eine andere! Schau, ich weiß nicht genau, was der Film gekostet hat, denn ich bin – entgegen der landläufigen Meinung – nicht mit diesem Aspekt der Band betraut. Ich weiß nur: Er war ziemlich teuer. Aber die schlimmsten Kosten sind die, mit denen man nicht rechnet: Wir lassen gerade 700 Kopien anfertigen, reisen sechs Wochen lang auf Promotour durch die Welt und werden den Film in Dolby Atmos machen, weil das in den US-Kinos gerade das neueste Ding ist – es gibt so vieles, an das man vorher nicht denkt. Das ist ein ziemlich verrücktes und lächerliches Projekt auf allen Ebenen, aber es fühlte sich einfach wie das richtige Ding zur richtigen Zeit an. Mit solchen Sachen versuchen wir immer wieder, etwas Neues abzuliefern und den Metallica-Fans Erlebnisse zu verschaffen, die einfach anders sind. Dadurch bleibt es auch für uns spannend, denn dieses Album-Tour-Album-Tour-Ding ist einfach nichts für uns. Ob es ein Risiko ist? Ich denke schon: Wir mussten dafür unsere Häuser mit Hypotheken belasten, Darlehen aufnehmen und solche Sachen, um den Film umzusetzen. Ich denke mal, das geht als Risiko durch.

Im Ernst jetzt?

Im Ernst. Zumindest mussten wir Eigentum und einige Kapitalanlagen verpfänden, die uns gehören. Das ist schon riskant, aber es macht auch Spaß. Bei Metallica haben wir unsere kreative Energie und unsere Vorhaben noch nie durch irgendwelche Risikokalkulationen abtöten lassen. Wir denken darüber einfach nicht viel nach. Wir tun es einfach. Wir springen und dann schauen wir, wo wir später landen werden. Oder ob wir überhaupt irgendwo landen werden.

Habt ihr sonst noch irgendwelche Film-Projekte in Planung?

Es gibt immer viele Visionen, die umherschwirren. Wir haben keinen Mangel an Ideen, sondern das größte Problem ist die Zeit. Von all unseren Ressourcen ist Zeit diejenige, über die wir am wenigsten verfügen. Weil bei uns ständig so viele Dinge passieren. Dass nach einer 32-jährigen Karriere alles immer noch so verdammt verrückt sein kann, finde ich schon bemerkenswert. Wer weiß, vielleicht machen wir eines Tages mal so einen Film, wie er gerade über die fanatischen Springsteen-Fans gemacht wird – einen Film über Metallica-Fans.

Lass uns über „Through The Never“ reden. Inwieweit wird die Filmhandlung, in der ein junger Roadie einen speziellen Gegenstand am anderen Ende der Stadt abholen soll, während ihr eine gigantische Show spielt, durch die Songs des Sets aufgegriffen?

Nun, das musst du dir schon selbst ausrechnen. Ich kann dir nur sagen, dass wir unserem Regisseur Nimród Antal nicht aufgetragen haben, eine Story zu schreiben, die zu den Songtexten passt. Ich habe alle möglichen Sachen gehört in den letzten Tagen, wie: „Diese kleine Puppe muss eine Referenz zu ‚Master Of Puppets‘ sein!“ Wenn sie das für dich ist, dann werde ich dir das nicht ausreden. Ich kann dir nur sagen, dass ich Nimród nicht gesagt habe, er solle „Master Of Puppets“ durch eine kleine Puppe referenzieren. Vielleicht hat er es gemacht, vielleicht nicht, ich habe keine Ahnung und ihn auch nie gefragt. Was ich von Anfang an an Nimrods Story mochte, war ihr absoluter Wahnsinn auf dem Papier – das war das Verrückteste, was ich je gelesen habe – und ich habe ziemlich viel gelesen. Sein Skript hatte so viel Chaos und Energie, dass es für mich eine gute Begleitung zur Musik und dem Konzert war. Ich habe aber nie über lyrische Querbezüge nachgedacht. Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht da wären. Nimród ist schließlich schon lange großer Metallica-Fan, er ist mit unserer Musik groß geworden.

War das wichtig für euch oder hättet ihr auch einen Regisseur genommen, der eure Musik nicht mag?

Das Wichtigste war, dass er verrückt, wahnsinnig und bereit war, auf diese Reise mit uns zu gehen. Als ich ihn traf, wusste ich sofort, dass er der richtige Mann war, seine Energie hat mich fasziniert. Ich habe viele andere Leute getroffen und ihnen die Geschichte erklärt: Ein Film, dessen Aufhänger eine Live-Show ist, während der eine andere Geschichte abläuft. Die meisten haben das nicht verstanden oder wollten es nicht verstehen. Als ich es Nimród erklärt habe, meinte er nur: „Yeah, klingt super! Das kann ich schreiben.“ Er war Feuer und Flamme dafür – wahrer Enthusiasmus ist einfach durch nichts zu ersetzen. Er hat nicht auf „importante artiste“ gemacht, nach dem Motto (imitiert einen französischen Dialekt und tut so, als hätte er eine Zigarette in der Hand) „Ach, weißt du, Mr. Metallica, vielleicht mache ich es, vielleicht auch nicht“, sondern er war wirklich voll dabei.

Hattet ihr auch Ideen für den Film, die ihr nicht umsetzen konntet?

Einige Ideen, die auftauchten, hätten ein sehr viel größeres Budget gebraucht. Aber wir sind nicht Paramount Pictures oder Marvel, man muss da schon ein wenig realistisch sein. Wenn man natürlich 200 Millionen Dollar hat und „The Avengers 13“ dreht, ist das eine andere Sache. Wir hingegen sind nur eine kleine alte Rockband aus Nordkalifornien – an irgendeinem Punkt ist dann halt Schluss.

Stichwort: neues Album. Ist es nach so einem Projekt wie diesem schwierig, sich wieder für ein neues Studioalbum zu begeistern?

Nein, überhaupt nicht – im Gegenteil: Ich bin total heiß darauf, ein neues Album zu machen. Dieses Projekt hat mich so belebt, dass ich mich schon total darauf freue, diese Energie nun ins Studio zu bringen.

Am Ende des Films spielt ihr mit kleinen Verstärkern auf der Bühne und James sagt: „Wir brauchen diesen Schnickschnack gar nicht.“ Sehnt ihr euch manchmal danach, die Dinge wieder klein und unkompliziert angehen zu können?

Machen wir doch ab und an mal, wenn wir z.B. wie im Juli eine Show vor tausend Leuten auf der Comicon spielen. Wir versuchen immer, es zu mischen: Wir können Stadien oder Open Airs wie beim Rock am Ring spielen, aber auch kleine Venues. Wenn du magst, kommen wir zu deinem Grillfest im Garten. Wir sind nicht auf dieses Spektakel angewiesen, es müssen nicht 37 Bomben detonieren, damit wir ein Konzert spielen können. Es steht und fällt mit der Musik, alles andere sind Flusen. Aber lustige Flusen (lacht). Manchmal muss man eben einfach irgendeinen Scheiß in die Luft sprengen.

Und da ist das Interview auch schon wieder vorbei, obwohl noch über 20 Fragen auf dem Zettel stehen. Erkenntnis: Er redet gerne und ausführlich, der Lars. Immerhin bleiben noch zwei Sekunden für einen Schnappschuss – als Beweis, dass wir wirklich dort waren:

Stell dir vor, du sitzt neben Lars Ulrich und guckst wie ein Vollspaten.

Stell dir vor, du sitzt neben Lars Ulrich und guckst wie ein Vollspaten.

Was haben wir gelernt? Metallica mussten ihre Grundstücke verpfänden, um „Through The Never“ zu produzieren. Sie sind halt nur „eine kleine alte Rockband aus Nordkalifornien“. Dann frag ich mal lieber nicht wegen des Zugtickets. Hab’s ja schließlich auch so noch geschafft. Und: Lars hat Bock auf ein neues Metallica-Album. Wir auch, oder?!

Bis nächstes Jahr dann, Lars, ne? Zum Angrillen in meinem Garten.

So, und jetzt fackelt nicht lange und holt euch Karten für „Through The Never“!

Hier noch mal der Trailer:

Auf Metallicas YouTube-Channel gibt’s übrigens noch jede Menge weiteren Stoff zum Film. Vieles davon funktioniert sogar in Deutschland – wow!

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Davor habe ich jahrelang als Redakteur für diverse Filmmagazine gearbeitet sowie für einschlägige Metalmedien geschrieben und fotografiert. Lieblingsfilme? Zu viele. Unter anderem aber die „The Raid“-Filme, „Into The Wild“ und „Adams Äpfel“. Lieblingsserien? "Breaking Bad", "Better Call Saul", "Game Of Thrones", "Mad Men" und und und. Musikalisch kann man mich - wenn man wollte - mit Bands wie Ghost, Kvelertak, Mantar, Parkway Drive und, klar, Maiden gefügig machen. Besucht mich doch mal bei Instagram, wo ich meine Livebilder aus dem Metal- und Rock-Game zur Schau stelle: @67rocks.

4 Kommentare

  1. Krasse Sache.
    Werd mir den Film auf jeden Fall reinziehen.
    Und zwar nachher.
    Und ich bin mir sicher dass er absolut mördermäßig-krass-gigantomanisch-geil wird.
    Rock on \m/

  2. Ihr hättet Lars ruhig mal fragen können, was in der Tasche ist -.- ich zerbrech mir darüber den Kopf.
    sorry für den kleinen Spoiler

    • Ha, das habe ich ihn sogar gefragt! Die Antwort war nur… etwas unbefriedigend:

      „Ich habe da nie reingeschaut. Keine Ahnung. Soweit ich weiß, war Dane DeHaan der Einzige, der in die Tasche reingeschaut hat – frag ihn!“

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  4. Pingback: Die EMP Flimmerkiste zum 31. Januar 2014

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