Nirvana - Eine Erinnerung an einen Ernteball

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Nirvana – Eine Erinnerung an einen Ernteball

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Am 19. März  des Jahres 1988 – ewige Zeiten her – traten Dale Crover, Krist Novoselić und Kurt Cobain das erste Mal unter dem Namen Nirvana auf. Nicht ganz zwei Monate später feierte ich meinen siebten Geburtstag. Klar also, dass ich zu jenem Zeitpunkt nicht sonderlich viel von Nirvana mitbekommen habe. Und trotzdem wurde Nirvana zu einer meiner Lieblingsband, was sie im Übrigen bis heute geblieben ist. 

Gesetz dem Fall – und gehen wir einfach mal davon aus, denn es könnte unter Umständen passieren – mein Leben wird verfilmt, wer oder anders gesagt, welche Band würde wohl einen Großteil zum Soundtrack beisteuern? Richtig Nirvana. Da gibt es zum Beispiel diese eine Geschichte.
(Mama – wenn du hier mit liest, dann hör hier bitte auf – das weißt du nämlich gar nicht)

Nirvana gehört auf den Soundtrack meines Lebens

Es war im Herbst des Jahres – keine Ahnung. Auf jeden Fall war Herbst. Überall in unserer ländlich geprägten Region feierten die katholischen Landjugendbewegungen ihre obligatorischen Erntebälle. Diese fanden meist in den dafür festlich geschmückten Scheunen größerer Landwirte statt. Und im Grunde waren die Landjungendbälle damals nichts anderes, als eine Gelegenheit mal wieder richtig aufzutanken. Wenn ihr versteht, was ich meine. Auftanken. Ha. Ha. Ha.

Na ja. Auf jeden Fall – da mussten wir hin. Meine Kumpels und ich. Ernteball. Bei Bauer Reinhard in seiner Halle. Seine Frau Anita stand draußen. Am Grill und drehte die Bratwurst. Und nachdem wir die drei Mark Eintritt auf die blau-weiße Untertasse gescheppert und von Heinz, Reinhards und Anitas Jungen, einen Schweinestempel auf den Handrücken gewämst bekommen haben, ging es auch schon los.

Die örtliche Landjugend kümmerte sich getreu dem Motto „Ein Bier dem Kunden, zwei Bier dem Wirt“ um den Ausschank. Wen wundert es, dass die Gastgeber um kurz nach zwölf selbst total stramm vor Anita standen und um Wurst bettelten. Egal. Am D.J. Pult stand Onkel Werner. Der Mann von Wilma. Ein zu dünner Mann mit grauem Haar. Auf der Tanzfläche schunkelten verliebte Pärchen zu den Klängen von Wolfgang Dingens. Wie heißt der noch? Der mit den Armbändern und der Möchtegernmatte. Egal. Auf jeden Fall war das musikalische Rahmenprogramm eher – wenn es so ist, muss man es auch sagen – kacke. Richtige Kacke.

Nirvana auf dem Ernteball und die Hölle brach los.

Irgendwann machte Onkel Werner einen Fehler. Nach Dingens und Dingens und anderen musikalischen Fehlentscheidungen knallte er Nirvana rein. Nirvana. Smells like teen spirit. Den Klassiker. Den Song, den alle kannten. Und da wir uns aufgrund der schlechten musikalischen Untermalung des Abends komplett auf Saufen geschmissen hatten, waren wir achsenbreit als Onkel Werner seine Entgleisung – zu unserer Freude – bemerkte. Mit fünf Mann stürmten wir die Tanzfläche und moshten die Verliebten an den Rand des Wahnsinns.

Vollkommen außer Sinnen gaben wir alles. Wir tanzten. Wir rockten. Wir spielten Luftgitarre. Wir kosteten den Moment voll aus. Ohne Rücksicht auf Verluste. Nur doof. Das Bernd, seines Zeichens Schlachter, gerade mit seinem Arbeiter-Glas (Korn/Cola) über die Tanzfläche straucheln musste. Ich hatte ihn – vollkommen unabsichtlich natürlich (natürlich, natürlich, natürlich) – erst mal komplett weggebolzt.

Bernd, voll wie ein Schweineeimer, kippte der Länge nach hin und war dementsprechend gut gelaunt. Sein kariertes Hemd hing aus der Hose. Seine Lederschuhe hatten einen Fleck abbekommen. Er sah mich. Wurde rot. Zornig. Schimpfte. Fluchte. Stand auf. Holte aus und verpasste mir eine. Nirvana lief noch. Ich nicht mehr.

Nach einer gefühlten Ewigkeit stand ich wieder auf. Ging auf Bernd zu. Schaute ihm tief in die Augen, kniff meine zusammen. „Ey Bernd. Das war jetzt aber nicht sonderlich nett. Wenn du das noch einmal machst… Ich sag dir das… Dann sprech ich mal mit deiner Mutter. Weiß die eigentlich, dass du rauchst?

Bernd wurde im übrigen nie Nirvana Fan. Und wahre Freunde wurden wir auch nicht. War ja klar. Nichts desto trotz, war das eine Geschichte, an die ich immer wieder denken muss, wenn ich Nirvana hören darf.

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Autor: Torsten

Für EMP schreibe ich seit November 2013. Und zwar als Modeblogger. Das Witzige daran ist, dass ich im Grunde überhaupt keine Ahnung von Mode habe und daher passiert es nicht selten, dass meine Artikel Anekdoten aus meinem Leben werden. Wenn ich nicht gerade über Mode schreibe, arbeite ich als freier Autor und Fotograf in dem beschaulichen Dorf Altenoythe, was wahrscheinlich keine Sau kennt. Aber das macht nichts, denn so haben es meine Stalker schwerer mich zu finden. Wenn du mehr über mich und meine Tätigkeiten im medialen Raum erfahren willst, solltest du mich auf pirgofabrik.de besuchen. Lohnt sich. Oder auch nicht. Je nach dem.

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