Wider Erwarten ziemlich unterhaltsam: die Sci-Fi-Comedy R.I.P.D.

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Wider Erwarten ziemlich unterhaltsam: Robert Schwentkes Sci-Fi-Comedy R.I.P.D. – REST IN PEACE DEPARTMENT

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R.I.P.D.

Ganz ehrlich? Ich hatte Angst, als ich die Screener-Disc von „R.I.P.D. – Rest In Peace Department“ einlegte. Keine Todesangst freilich, aber doch das ungute Gefühl, 92 Minuten meines Lebens an einen erbärmlichen Actionfilm zu verschwenden, die mir niemand mehr wiedergeben kann. Schließlich wurde der Streifen von „R.E.D“ Regisseur Robert Schwentke allüberall in der Luft zerrissen, hält derzeit eine klägliche 13%-Wertung bei der Review-Sammlungs-Instanz Rotten Tomatoes und ist auch im Kino derbe auf die Fresse gefallen: 130 Millionen Dollar hat „R.I.P.D.“ gekostet und nicht mal 80 wieder eingespielt – und residiert damit in den inoffiziellen Top5 der größten Boxoffice-Flops aller Zeiten (in guter Gesellschaft zwischen „Lone Ranger“ und „John Carter“). Augenpein vorprogrammiert. Fragezeichen.

Vielleicht mag es daran liegen, dass man schlecht enttäuscht werden kann, wenn man seine Erwartungen auf Null runterschraubt. Oder an irgendwelchen kosmischen Verwicklungen. Oder der persönlichen Tagesform. Egal. Ich fand „R.I.P.D.“ jedenfalls nicht annähernd so schlecht, wie er gemacht wurde, im Gegenteil: Ich fand ihn eigentlich sogar ziemlich unterhaltsam. Und nein, das schreibe ich nicht, weil Ryan Reynolds mir seine Bizarro-Knarre an die Schläfe hält, sondern aus freien Stücken.

Hosen hoch oder Hände runter! Nick Walker aka Ryan Reynolds macht keine Gefangenen (R.I.P.D. © Universal)

Hosen hoch oder Hände runter! Nick Walker aka Ryan Reynolds macht keine Gefangenen (R.I.P.D. © Universal)

Der auf Peter M. Lenkovs gleichnamigem Comicbuch von 2001 basierende „R.I.P.D.“ ist ein perfektes Beispiel dafür, dass – entgegen landläufiger Studiomeinung – nicht jede Comic-Verfilmung automatisch ein Erfolg werden muss. Nicht mal dann, wenn man die Hauptrollen mit Hochkarätern wie Jeff Bridges und Ryan Reynolds und die Nebenrollen mit verdienten Recken wie Kevin Bacon besetzt. Reynolds mimt Detective Nick Walker vom Boston Police Department, der bei einem Einsatz von seinem korrupten Partner Hayes (Bacon) ins Jenseits befördert wird. Allerdings nicht ganz so jenseitig wie der Normalbürger: Bevor er in den Seelen-Äther eingehen kann, wird Walker ausgesiebt und sitzt plötzlich dieser freundlichen Lady an einem Schreibtisch gegenüber:

"Hatten Sie einen guten Flug?" (R.I.P.D. © Universal)

„Hatten Sie einen guten Flug?“ (R.I.P.D. © Universal)

Aufgrund seiner hervorragenden Qualitäten bei der Verbrechensbekämpfung erhält Walker die Chance, beim „Rest In Peace Department“ mitzumischen, das zur Aufgabe hat, flüchtige Geister, die nach dem Tod verbotenerweise auf die Erde zurückkehren und sich wieder unter die Lebenden mischen, einzufangen und diese sogenannten Deados endgültig in die Ewigkeit zu katapultieren. Als Rookie bekommt der verdatterte Frischverstorbene, der auf Erden eine trauernde Witwe zurücklässt, den garstigen alten Haudegen Roy Pulsipher (Bridges) zur Seite gestellt, der darüber nicht sonderlich erfreut ist. Bei ihren Streifzügen auf Erden kommen die beiden einer heißen Sache auf die Spur: Die Deados sammeln jene mysteriösen Goldstücke zusammen, die Walker bereits zu Lebzeiten über den Weg gelaufen sind. Warum nur?!

Wenn man das jetzt so liest, klingt das tatsächlich ziemlich albern – ist es ja schließlich auch. Allerdings waren die „Men In Black“ nicht weniger albern, genießen aber trotzdem Kultstatus. Überhaupt lässt sich „R.I.P.D.“ ganz gut mit den auf Lowell Cunninghams Comics basierenden Schwarzmännern vergleichen, auch wenn vor allem deren erste Verfilmung von 1997 natürlich in einer ganz anderen Liga spielt. Grundsätzlich sind die Storys – vor allem mit ihrem starbesetzten Rookie/Veteran-Gespann – aber recht ähnlich.

Auch Jeff Bridges wollte mal einen Kinovollflop in der Vita haben (R.I.P.D. © Universal)

Auch Jeff Bridges wollte mal einen Kinovollflop in der Vita haben (R.I.P.D. © Universal)

Wie auch immer: Action und Effekte (allein die Todes- und Himmelfahrtsszene von Walker sieht fantastisch aus – vergleiche Trailer unten) stimmen in diesem kurzweiligen übersinnlichen Actionspektakel, in dem Reynolds und Bridges ähnlich gut harmonieren wie ihre offensichtlichen Pendants Smith und Jones – auch wenn einem kurioserweise ausgerechnet Schauspiel-Ass Bridges mit seiner etwas zu aufgesetzten Overacting-Kauleistennuschelei ein wenig auf den Geist geht. Doch die Gags sitzen gut, der Look ist klasse und insgesamt ist „R.I.P.D.“ ein lohnender Spaß für alle Freunde anspruchsloser übernatürlicher Actionkost. Warum der Film auf Rotten nur 15% gute Bewertungen bekommt, wenn beispielsweise „Men In Black III“ 70% und der zweite Teil immerhin 39% hat, erschließt sich mir nicht wirklich.

Doch entscheidet selbst. Mal Trailer gucken wollen?

R.I.P.D. - Cover

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Das kann ich wohl ganz okay, weil ich jahrelang als Redakteur für diverse Film-Magazine gearbeitet habe. Ein feuchtes Höschen bekomme ich bei den „The Raid“-Filmen und „Deadpool“, aber auch Melancholisches wie „Into The Wild“ oder „Only Lovers Left Alive“ und Dänenkomödien à la „Adams Äpfel“ erfreuen mein Herz. Musikalisch kann man mich z. B. mit Ghost, Kvelertak, Mantar und, klar, Maiden gefügig machen. Meine Website: benrocks.de! – oder checkt doch mal @Foitzinger auf Snapchat aus!

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