Spike Lee liefert ein Remake des koreanischen Kult-Thrillers OLDBOY ab

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Spike Lee liefert ein Remake des koreanischen Kult-Thrillers OLDBOY ab – darf der das?

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Oldboy

Über den Sinn und Unsinn von (Hollywood-)Remakes könnte man vermutlich stundenlang referieren. Lassen wir es einfach und akzeptieren das Unabdingbare: Wenn ein Indiefilm erfolgreich ist oder gar zum Kult avanciert, wird die gierige Traumfabrikmaschine hellhörig und setzt alle Hebel in Bewegung, um das Thema noch mal gewinnbringend auszuschöpfen. Aber so richtig.

Geht man allein nach diesen Parametern, ist Spike Lees Remake des südkoreanischen „Oldboy“ aus 2003, der in Cannes seinerzeit den Großen Preis der Jury erhielt, ein absoluter Schlag ins Wasser: 30 Millionen Dollar soll er gekostet und nur klägliche fünf davon im Kino wieder eingespielt haben. Man hätte die Millionen wohl auch einfach zu einem großen Batzen auftürmen und dann im Rahmen eines Osterfeuers oder einer förmlichen antikapitalistischen Zeremonie abfackeln können – wäre vermutlich einfacher gewesen.

Doch dass ein Film ein Kassenflop ist, macht ihn ja noch lange nicht zu einem schlechten Werk. Schauen wir uns den Spike’schen „Oldboy“ also mal genauer an.

In der Not frisst der Teufel Fliegen - oder freundet sich mit einer Ratte an (Oldboy © Universal)

In der Not frisst der Teufel Fliegen – oder freundet sich mit einer Ratte an (Oldboy © Universal)

Spielte in Park Chan-wooks Original, das wiederum auf einem Manga basiert, der Koreaner Choi Min-sik die Hauptrolle, ist es in Lees Neuauflage Josh Brolin, der mit seinen Rollen von „oscarwürdig“ („No Country For Old Men“, „Milk“) bis zu „Vollkatastrophe“ („Jonah Hex“) gerne das komplette Spektrum auslotet. Die Handlung ist zunächst identisch mit der der Vorlage: Der unsympathische Trunkenbold Joe, der statt zum Geburtstag seiner kleinen Tochter zu gehen lieber einen fetten Deal an Land zieht (den er dann natürlich eh wieder vermasselt), trifft im Vollsuff auf eine mysteriöse Lady mit Regenschirm – und wacht plötzlich am nächsten Tag in einem Hotelzimmer auf. Die Dusche läuft. „Ich muss mal pissen“, sagt er noch und lässt laufen. Doch dann erkennt er: Die Dusche ist leer. Und das Hotelzimmer ist abgeschlossen. Und er sitzt in der Klemme. Und zwar 20 Jahre lang: Jeden Tag bekommt er durch einen Schlitz in der Tür (asiatisches) Essen und eine Pulle Wodka gereicht – wer ihn warum gefangen hält, weiß er nicht. Im Fernsehen muss er schließlich erfahren, dass seine Ex-Frau getötet wurde, er als Täter gesucht wird und man seine Tochter Mia in eine Pflegefamilie gesteckt hat.

Nach 20 langen Jahren (im Original sind es 15) kehrt Joe jedoch in die Freiheit zurück. Und kennt nur ein Ziel: Seinen Peiniger ausfindig zu machen. Na gut, zwei Ziele: Er möchte seine Tochter um Vergebung dafür bitten, dass er so ein Rabenvater war.

Zeit für Rache: Joe wetzt die Messer (Oldboy © Universal)

Zeit für Rache: Joe wetzt die Messer (Oldboy © Universal)

Oft nimmt Lees „Oldboy“ den Begriff „Remake“ absolut wörtlich und stellt Szenen aus dem Original einfach 1:1 nach: Das Hotelzimmer zum Beispiel sieht genauso aus, oder die Szene, als Joe aus einer Kiste auf der Wiese steigt. Vielleicht hätte Lee etwas mutiger sein und sich stilistisch von der Vorlage lösen sollen, denn so ist sein „Oldboy“ zwar ein guter Film geworden – doch wie in so vielen Fällen ist das Original letztlich besser. Und dann stellt sich natürlich die altbekannte Frage: Warum überhaupt remaken?

Immerhin: Brolin spielt den um sein Leben betrogenen Racheengel mit stoischer Präzision und wirkt lediglich in der (legendären) One-Take-Hammerkampfszene aufgrund seiner ruppigen und einstudiert wirkenden Bewegungen etwas unglaubwürdig. Choi Min-sik nahm man da schon eher ab, dass er eigenhändig eine Gang von 20 Typen verdreschen kann. Siehe hier:

In einer relativ kleinen Nebenrolle ist Samuel L. Jackson zu sehen, der in letzter Zeit ja ein paar gelungene Auftritt hingelegt hat: Als Nick Fury ist er aus Marvels Superheldenfilmen wie „The Avengers“ oder „Captain America“ nicht mehr wegzudenken, in „Django Unchained“ mimte er den durchtriebenen alten Butler und auch im „Robocop„-Remake war er am Start. In „Oldboy“ jedoch gehört seine Performance eher zu den schwächeren: Selten jemanden so unglaubwürdig um sein Leben winseln gesehen. Sehr viel besser ist da der eigentliche Bösewicht des Films: Sharlto Copley, den man aus Neill Blomkamps genialen Science-Fiction-Werken „District 9“ und „Elysium“ kennen sollte. Wenn man ihn mit der schmierigen Kopf- und Bartfrisur denn überhaupt erkennt.

Sharlto Copley gibt den schmierigen Fiesling - aber ihr guckt ja sowieso ganz woanders hin (Oldboy © Universal)

Sharlto Copley gibt den schmierigen Fiesling – aber ihr guckt ja sowieso ganz woanders hin (Oldboy © Universal)

Was bleibt? „Oldboy“ ist ein gutes Remake des koreanischen Originals, kommt aber wie zu erwarten nicht ganz an die Vorlage heran. Wer die Vorlage nicht kennt, kann aber bedenkenlos zugreifen, denn ein stylisher, knüppelharter Thriller ist Lees Version allemal. Und der Twist am Ende… der ist echt derbe. Es schüttelt mich immer noch.

Drum merke: Rache ist Blutwurst.

Hier der Trailer:

Oldboy - Cover

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Das kann ich wohl ganz okay, weil ich jahrelang als Redakteur für diverse Film-Magazine gearbeitet habe. Ein feuchtes Höschen bekomme ich bei den „The Raid“-Filmen und „Deadpool“, aber auch Melancholisches wie „Into The Wild“ oder „Only Lovers Left Alive“ und Dänenkomödien à la „Adams Äpfel“ erfreuen mein Herz. Musikalisch kann man mich z. B. mit Ghost, Kvelertak, Mantar und, klar, Maiden gefügig machen. Meine Website: benrocks.de! – oder checkt doch mal @Foitzinger auf Snapchat aus!

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