Ein urkomisches Kino-Highlight: Scorseses THE WOLF OF WALL STREET

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Schon jetzt eins der Highlights dieses Kinojahres: Martin Scorseses THE WOLF OF WALL STREET

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The Wolf of Wall Street

„3, 2, 1… fickt sie!!!!!!“ brüllt Top-Broker Matthew McConaughey seinen Kollegen und Untergebenen aus voller Lunge entgegen, als morgens die Wall Street öffnet. Spätestens jetzt (nach zehn Minuten) weißt du: Martin Scorseses „The Wolf Of Wall Street“ ist kein normaler Film. Nicht, weil er fast drei Stunden geht. Nicht, weil er auf den Memoiren des realen Jordan Belforts basiert, der Ende der 80er Jahre ein Vermögen an der Börse scheffelte. Nicht, weil Scorsese zum mittlerweile fünften Mal seine Hauptrolle mit Leonardo DiCaprio besetzt. Sondern weil dieser Film Eier hat. Wer sich dieses Highlight nicht im Kino reinzieht, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Dass Scorsese im fortgeschrittenen Alter von 71 Jahren noch so ein derbes, obszönes, mutiges Werk raushaut, hat – zumal im konservativ-spießigen Hollywood – wirklich Respekt verdient: Da wird gekokst und gefickt, was das Zeug hält – und wer bereits angesichts dieser Wortwahl pikiert ist, der sollte diese forsche Börsen-Satire tunlichst meiden. Drei Stunden lang zieht Leo DiCaprio als Wall-Street-Mogul Jordan Belfort seinen Kunden die Kohle aus den Taschen, feiert rauschende „Orgien der Gier“ (bei der sein Kompagnon Donnie Azoff aka Jonah Hill auch schon mal vor versammelter Partygesellschaft sein Ding auspackt, um sich auf die Schönheit einer neuen Besucherin einen runterzuholen) oder lässt sich von einer Nutte eine Kerze in den Arsch schieben.

Kniet nieder, ihr Nutten und Vasallen, hier kommt Jordan Belfort! (The Wolf of Wall Street © Universal)

Kniet nieder, ihr Nutten und Vasallen, hier kommt Jordan Belfort! (The Wolf of Wall Street © Universal)

Bei so gut wie jedem anderen Regisseur wäre das alles wohl zur peinlichen, aufgesetzten, selbstherrlichen Farce verkommen – bei Scorsese ist es trotz aller Obszönität so unglaublich stilvoll inszeniert, dass man sich als Zuschauer drei Stunden lang vor purer Begeisterung in seinem Sessel windet. Zumindest dann, wenn man kein Problem mit Drogenexzessen (auf dem Screen), wilden Sexszenen, (für zugeknöpfte Hollywood-Verhältnisse) viel nackter Haut und derber Wortwahl hat.

Die Handlung an sich klingt zunächst vielleicht etwas börsenmillieu-mäßig dröge: Ende der 80er beschließt der junge Belfort, Börsenmakler zu werden und heuert bei einer renommierten Wall-Street-Firma an, wo ihn Top-Seller Mark Hanna (viel zu kurzer, aber grandioser Auftritt von Matthew McConaughey) unter seine Fittiche nimmt und ihm die Grundlagen erfolgreichen Brokertums vermittelt: Kokain, Nutten und zweimal wichsen pro Tag. Belfort ist sofort fasziniert vom lukrativen Ausbeutergeschäft, macht seine Lizenz… und fällt bereits am ersten Tag als offizieller Broker in den Abgrund: Es ist der 19. Oktober 1987, jener Schwarze Montag, der als erster großer Börsencrash der Nachkriegsgeschichte in die Annalen einging. Die Kurse sind am Boden, niemand will mehr investieren, die meisten Börsianer verlieren ihre Lizenz und sind plötzlich arbeitslos. Wie auch Jordan Belfort.

Die Kollegen staunen: Belfort verkauft Schnee an die Eskimos (The Wolf of Wall Street © Universal)

Die Kollegen staunen: Belfort verkauft Schnee an die Eskimos (The Wolf of Wall Street © Universal)

Doch dank seines außergewöhnlichen Talents rappelt er sich schnell wieder auf: Er heuert bei einer kleinen Firma an, die lediglich sogenannte Penny-Stocks an ihre Kunden verhökert – Aktien, die aufgrund ihres geringen Werts (in den Staaten: weniger als 5$) und hoher Kursschwankungen nicht an der Wall Street notiert sind und somit auch ohne Lizenz gehandelt werden dürfen. Schon bald darauf gründet Belfort zusammen mit seinem neuen Kumpel Donnie Azoff seine eigene Firma Stratton Oakmont, wird sowohl Multimillionär als auch massiv drogenabhängig, verstrickt sich immer tiefer in betrügerische Geschäfte und ruft somit irgendwann das FBI auf den Plan.

Völlig zu Recht wurde DiCpario kürzlich für seine geniale Performance mit dem Golden Globe ausgezeichnet – und hätte die Jury der Academy Awards ihm gegenüber nicht ein chronisches Ressentiment, würde er bei der anstehenden Oscar-Verleihung sicher endlich auch den überfälligen Goldjungen bekommen. Warten wir’s ab. Verdient hätte er ihn allemal – allein schon für die Szene, in der er zu viele Wunderpillen einwirft und, komplett seiner motorischen Fähigkeiten beraubt, aus einer Hotellobby zu seinem Auto robbt. Selten etwas so grandios Komisches gesehen!

Das Objekt der Begierde: Belforts baldige Frau Naomi (The Wolf of Wall Street © Universal)

Das Objekt der Begierde: Belforts baldige Frau Naomi (The Wolf of Wall Street © Universal)

Doch auch die Nebendarsteller geben sich keine Blöße: Neben McConaughey (der demnächst in „Dallas Buyers Club“ im Kino brillieren wird) und Hill („Das ist das Ende„) gefallen vor allem „The Artist“-Star Jean Dujardin als korrupter Schweizer Banker, Margot Robbie („Alles eine Frage der Zeit„) als Belforts Sexbombenfrau und Jon „Shane“ Bernthal („The Walking Dead„) als muckibepackter Drogendealer. Ein außergewöhnliches Ensemble für einen außergewöhnlichen Film, der einen dreckig-verrohten Gegenpol zu DiCaprios letztem Film, dem handzahm-schnarchigen, schwülstig-opulenten „Der große Gatsby“ darstellt.

Kinostart THE WOLF OF WALL STREET: 16. Januar 2014.

Trailer angucken und asap ins Kino gehen. Be(n)fehl!

The Wolf of Wall Street - Plakat

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Das kann ich wohl ganz okay, weil ich jahrelang als Redakteur für diverse Film-Magazine gearbeitet habe. Ein feuchtes Höschen bekomme ich bei den „The Raid“-Filmen und „Deadpool“, aber auch Melancholisches wie „Into The Wild“ oder „Only Lovers Left Alive“ und Dänenkomödien à la „Adams Äpfel“ erfreuen mein Herz. Musikalisch kann man mich z. B. mit Ghost, Kvelertak, Mantar und, klar, Maiden gefügig machen. Meine Website: benrocks.de! – oder checkt doch mal @Foitzinger auf Snapchat aus!

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