Verstörend und mordspannend: der Doppelgänger-Thriller ENEMY

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Verstörend und mordspannend: der Doppelgänger-Thriller ENEMY

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Enemy

Zu viele hohle Action-Blockbuster gesehen in letzter Zeit? Oder albernen Blödelklamauk? Mal wieder Lust auf einen etwas anderen Film? Dann kann ich uneingeschränkt den verstörend unheimlichen Psychothriller „Enemy“ empfehlen, der just im Kino angelaufen ist. Wer auf spannendes und enigmatisches Indie-Kino steht, ist bei dieser Romanverfilmung von Denis Villeneuve genau an der richtigen Adresse.

Villeneuve – kommt bekannt vor? Gut möglich, schließlich erschien erst vor kurzem dessen eiskalter Kindesentführungsthriller „Prisoners„, der einem ein ums andere Mal die Gänsehaare zu Berge stehen ließ. Einer der dortigen Protagonisten: Jake Gyllenhaal, der – klüngelüng – auch hier die Hauptrollen übernimmt. Ja, richtig, Plural: „Enemy“ ist nämlich ein Doppelgänger-Film.

Klassischer Doppelgängerfilm-Shot: der Blick in den Spiegel (Enemy © Capelight Pictures)

Klassischer Doppelgängerfilm-Shot: der Blick in den Spiegel (Enemy © Capelight Pictures)

Geschichtsprofessor Adam Bell (Gyllenhaal #1) führt ein tristes Routineleben in einer Hochhaussiedlung: Abends werden Arbeiten korrigiert und danach geht’s vielleicht noch mal mit seiner Perle Mary (Mélanie Laurent aus „Die Unfassbaren – Now You See Me“ und „Inglourious Basterds“) ins Bett. Doch wirkliches Interesse scheint er an der hübschen Dame nicht zu haben. Als er sich auf Empfehlung eines Arbeitskollegen den Indiefilm „Where There’s a Will There’s a Way“ ausleiht, fällt er plötzlich aus allen Wolken: In einer kleinen Nebenrolle ist jemand zu sehen, der exakt wie er selbst aussieht. Verdutzt und fasziniert stellt Adam Recherchen an und findet heraus, dass es sich um den B-Mimen Anthony St. Claire handelt. Nach anfänglichem Zögern kann er sich nicht länger zurückhalten: Er stalkt den Fremden Mann und dessen schwangere Frau und nimmt schließlich Kontakt mit seinem Doppelgänger auf. Je mehr sich die Leben der beiden charakterlich grundverschiedenen, aber optisch identischen Männer überschneiden, desto mehr verschwimmen die Grenzen ihrer jeweiligen Identität.

Adam (links oder rechts) trifft auf Doppelgänger Anthony (rechts oder links) (Enemy © Capelight Pictures)

Adam (links oder rechts) trifft auf Doppelgänger Anthony (rechts oder links) (Enemy © Capelight Pictures)

Noch deutlicher als bei „Prisoners“ kommt in diesem fiebrigen Psychotrip, der ein wenig an die frühen Werke von David Cronenberg erinnert, die fantastische Bildsprache des kanadischen Regisseurs zur Geltung: In beunruhigende gelb-grüne Farbtöne getaucht, verströmen die sterilen Räume und Gebäude von Anfang an eine beklemmende Atmosphäre, die den Zuschauer immer tiefer in ihren morbiden Sog hineinzieht. Gerade dadurch, dass auf der Leinwand scheinbar „nicht viel passiert“, wird der Film nur umso intensiver.

Jake Gyllenhaal erweist sich dabei mal wieder als schauspielerisches Chamäleon: Sowohl den introvertierten Professor Adam, als auch den forschen Lebemann Anthony verkörpert Gyllenhaal mit beeindruckender Intensität und kann mit Fug und Recht behaupten, in den letzten zehn Jahren nicht einen wirklich schlechten Film abgeliefert zu haben. Ob „Brokeback Mountain“, „Zodiac“, „Brothers“, „Source Code“, „End Of Watch“ oder eben Villeneuves „Prisoners“ und „Enemy“ – allesamt klasse! Gut, zu „Prince Of Persia“ sagen wir an dieser Stelle einfach mal nichts. Obwohl: Der war letztlich auch okay. Irgendwie.

Mary sieht so zufrieden aus - war da etwa der andere am Werk? (Enemy © Capelight Pictures)

Mary sieht so zufrieden aus – war da etwa der andere am Werk? (Enemy © Capelight Pictures)

Wenn ihr also ein wenig die Nase voll habt von glattpolierten Hollywood-Streifen, bei denen Effekt vor Story geht, dann wisst ihr ja nun, was ihr euch im Kino reinziehen müsst. Ich kann wirklich auch empfehlen, „Enemy“ auf der großen Leinwand zu gucken – da wirken die Bilder gleich noch mal eine Ecke verstörender. Besonders das Endbild, das ich wohl mein Leben nicht vergessen werde.

Ein Wort noch zur Romanvorlage: Die erschien 2002 unter dem Titel „Der Doppelgänger“ und stammt vom Portugiesen José Saramago – und der wurde 1998 immerhin mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet.

Und ein letzter Tipp: Achtet auf die Blaubeeren!

Hier der Trailer:

Enemy

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Das kann ich wohl ganz okay, weil ich jahrelang als Redakteur für diverse Film-Magazine gearbeitet habe. Ein feuchtes Höschen bekomme ich bei den „The Raid“-Filmen und „Deadpool“, aber auch Melancholisches wie „Into The Wild“ oder „Only Lovers Left Alive“ und Dänenkomödien à la „Adams Äpfel“ erfreuen mein Herz. Musikalisch kann man mich z. B. mit Ghost, Kvelertak, Mantar und, klar, Maiden gefügig machen. Meine Website: benrocks.de! – oder checkt doch mal @Foitzinger auf Snapchat aus!

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