Endlich: Urzeitmonster GODZILLA walzt ins Kino!

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Endlich: Urzeitmonster GODZILLA walzt ins Kino!

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Godzilla

Auf kaum einen anderen Film in der ersten Jahreshälfte von 2014 war ich so gespannt wie auf „Godzilla“, den Monster-Kracher von „Monsters“-Macher Gareth Edwards. Und saß dementsprechend ziemlich fickerich im Kino, als das Spektakel endlich begann. War die Vorfreude berechtigt? Oder ist die Neuauflage des Kultmonsters, das 2014 seinen 60. Leinwandgeburtstag feiert, dann doch ähnlich hohl wie Roland Emmerichs tumbe Materialschlacht von 1998?

Um es vielleicht gleich mal vorwegzunehmen: „Godzilla“ ist ein richtig gutes Monstermovie, das Emmerichs Krawallkino meilenweit voraus ist. Gut, nichts anderes hätte man von Regisseur Gareth Edwards (wir interviewten ihn) erwartet – schließlich hat er 2010 mit nur 500.000 Dollar einen der faszinierendsten Science-Fiction-Filme der letzten Jahre abgeliefert: „Monsters“. Doch einen guten Indie-Film zu drehen, ist eine Sache. Dem Druck eines Majors, eines monströsen 160-Millionen-Budgets und – vielleicht wichtiger als alles andere – einer eingefleischten „Godzilla“-Fanbase standzuhalten, eine ganz andere.

Hallo, ist da jemaaaaahhhhhh!!! (Godzilla © Warner)

Hallo, ist da jemaaaaahhhhhh!!! (Godzilla © Warner)

Dass man mit 160 Milliönchen ein sattes Effektspektakel abfeuern kann, ist klar, das hat Emmerich seinerzeit ja auch geschafft. Insofern steht Edwards „Godzilla“ vor allem auch in puncto Story unter besonderer Beobachtung – und kann hier durchaus überzeugen. Was vielleicht auch daran liegt, dass „The Walking Dead„-Guru Frank Darabont als letzter von insgesamt fünf Schreibern am Drehbuch herumtüftelte.

Die Prämisse: 1999 kommt es in einem japanischen Atomkraftwerk durch ein mysteriöses Beben zur Katastrophe. Doch Nuklearphysiker Joe Brody (Bryan „Heisenberg“ Cranston aus „Breaking Bad„) glaubt nicht an die offizielle Erdbeben-Version der Regierung, die das angeblich verseuchte Gebiet unter Quarantäne stellt. Brody ist überzeugt: Die seismischen Aktivitäten hatten ein sich wiederholendes Muster! Doch niemand glaubt seinen Verschwörungstheorien – nicht mal sein Sohn Ford, der 15 Jahre später ein stattlicher junger Mann („Kick-Ass“ Aaron Taylor-Johnson) und Bombenentschärfungsspezialist beim US-Militär geworden ist und in San Francisco lebt.

Heisenberg und Kick-Ass sind starr vor Angst (Godzilla © Warner Bros.)

Heisenberg und Kick-Ass sind starr vor Angst (Godzilla © Warner Bros.)

Als sein entfremdeter Papa, der immer noch in Japan lebt, in der Quarantäne-Zone erwischt wird, reist Ford nach Japan, um den scheinbar verrückten Mann aus dem Knast zu holen. Doch es soll sich herausstellen, dass der Physiker mit seinen Theorien richtig lag: Das seismische Muster, das er vor 15 Jahren, als der Atom-Meiler vernichtet wurde, entdeckte, taucht plötzlich wieder auf – und mit ihm die grausige Wahrheit: Das Beben wird von Urzeitmonster Godzilla ausgelöst! Das hatten die Amerikaner schon in den 50ern aufgespürt und zu vernichten versucht – was man der Öffentlichkeit als Atomtests verkaufte. Problem: Godzilla stammt aus einer Zeit, in der die Erde zehnmal radioaktiver war als heute – er speist sich also quasi durch Radioaktivität und wird von ihr angezogen. Doch das ist noch längst nicht alles… blenden wir an dieser Stelle einfach mal aus, um – wie der Regisseur höchstpersönlich bat – nicht zu viel zu verraten.

Zunächst baut sich der zweistündige „Godzilla“ nur langsam auf. Wissenschaftler entdecken Urzeitskelette in philippinischen Höhlen, die Brody-Familie wird vorgestellt, unheilvolle Zeichen verdichten sich. Als man Godzilla dann endlich zum ersten Mal auf der Leinwand sieht, ist der Effekt durch den bedächtigen Beginn nur umso stärker: Hier kann man durchaus schon mal die von Edwards erhoffte Gänsehaut bekommen. Ab dann wird der Film zusehends hektischer – was der Thematik an sich natürlich gerecht wird, manchmal aber auch ein wenig kontraproduktiv ist. Die Protagonisten reisen wild durch die Weltgeschichte und praktischerweise ist immer genau dort Monsteralarm, wo sich die Hauptfiguren herumtreiben: natürlich nimmt Godzilla Kurs auf San Francisco, wo Fords Sohn und Frauchen (Elizabeth Olsen, Rrrrooooaaarrr!) gerettet werden wollen und mit der Golden Gate Bridge ein Wahrzeichen auf seine effektvolle Zerstörung wartet. Vorher wird natürlich noch Hawaii platt gewalzt, wo sich Ford zufällig gerade aufhält und in einer ziemlich überflüssigen Sequenz einem kleinen asiatischen Jungen, der von seinen Eltern getrennt wurde, das Leben rettet. Oh, edler Ford!

Das Monster legt San Francisco in Schutt und Asche (Godzilla © Warner)

Das Monster legt San Francisco in Schutt und Asche (Godzilla © Warner)

Diese Kleinigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten machen den Film zwar nicht kaputt, verhindern aber letzten Endes, dass man das Kino mit überschwänglicher Begeisterung verlässt – so ist es eben „nur“ kontrollierte Begeisterung. Zumal das Ende… nun… sagen wir nur drei Wörter: Hollywood, Amerika, Helden.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Schaut euch „Godzilla“ im Kino an – ihr werdet nicht enttäuscht werden. Schließlich sind die Special Effects absolut überwältigend und einige Szenen (die man zum Teil schon im Trailer sieht) an nervenzerreißender Spannung kaum zu überbieten. Allein die „Mit-dem-Fallschirm-in-die-Stadt-flieg“-Sequenz ist, nicht zuletzt aufgrund des grandiosen Sakral-Kakophonie-Sounddesigns, phänomenal. Oder die vielen coolen Kleinigkeiten in der Bildkomposition: Wie sich das Monster in einer Gasmaske spiegelt oder wie man die Zerstörung durch die hin- und her wischenden Scheibenwischer eines Autos wahrnimmt, wie man plötzlich eine Eidechse im Dschungel in verheißungsvoller Großaufnahme sieht oder wie im geschäftigen Casino in Las Vegas auf einem News-Bildschirm zu sehen ist, dass Las Vegas gerade von einem Monster zerstört wird. Edwards hat es tatsächlich geschafft, dem Film einen dezenten Witz zu verleihen, ohne dabei die existenzielle Ernsthaftigkeit des Themas ins Lächerliche zu ziehen.

Der Alpha Predator in Aktion (Godzilla © Warner)

Der Alpha Predator in Aktion (Godzilla © Warner)

Obwohl „Godzilla“ gen Ende ein bisschen zu sehr aufs Pathos-Pedal drückt und auf dem Weg dahin auch einige Logiklöcher durchschreitet (Stichwort: radioaktive Strahlung), ist der Film für jeden Monstermoviemaniac also absolutes Pflichtprogramm. Zumal die Story von Godzilla als Metapher für die zerstörerische Kraft der Natur, die der blöde Mensch durch seine stupide Rücksichtslosigkeit herausfordert, prinzipiell gut funktioniert und nur durch ein paar überflüssige heroische Details (die vermutlich „von oben“ aufoktruiert wurden) etwas geschmälert wird.

Schmunzeln musste ich übrigens jedes Mal, wenn eine der Figuren (in der OV) rief: „That was an EMP!“ Was? Nein, wir waren das nicht! Ach so… ihr meint einen elektromagnetischen Puls. Das wäre ja auch noch schöner, uns die Schuld an der ganzen Misere zuschieben zu wollen.

Wie auch immer: GODZILLA – jetzt im Kino!

Der Trailer:

Dat Poster:

Godzilla

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Davor habe ich jahrelang als Redakteur für diverse Filmmagazine gearbeitet sowie für einschlägige Metalmedien geschrieben und fotografiert. Lieblingsfilme? Zu viele. Unter anderem aber die „The Raid“-Filme, „Into The Wild“ und „Adams Äpfel“. Lieblingsserien? "Breaking Bad", "Better Call Saul", "Game Of Thrones", "Mad Men" und und und. Musikalisch kann man mich - wenn man wollte - mit Bands wie Ghost, Kvelertak, Mantar, Parkway Drive und, klar, Maiden gefügig machen. Besucht mich doch mal bei Instagram, wo ich meine Livebilder aus dem Metal- und Rock-Game zur Schau stelle: @67rocks.

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