THE ZERO THEOREM - einer der schrägsten Filme des Jahres

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Einer der schrägsten Filme des Jahres: THE ZERO THEOREM von Terry Gilliam

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Gut, man kann keinen Terry-Gilliam-Film in den Player schieben und sich dann ernsthaft wundern, dass der irgendwie schräg ist. Schöbe man einen Terry-Gilliam-Film ein und dächte danach „Hey, der war ja irgendwie voll normal“, DAS wäre schräg! Mit seinem ersten Werk seit dem 2009er „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ mit Heath Ledger in seiner letzten Rolle liefert der ehemalige Monty-Python-Komiker nun einmal mehr ein faszinierendes Kunstwerk ab, das trotz aller Tiefgründigkeit den gewohnt schrägen Gilliam-Humor nicht zu kurz kommen lässt.

Als Protagonisten für seine kunterbunte Science-Fiction-Dystopie hat sich Gilliam explizit den großartigen Christoph Waltz ausgesucht, den wir doch alle spätestens seit den Tarantino-Meisterwerken „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“ ins cineastische Herz geschlossen haben. Der britische Regisseur (u. a. von „Fear And Loathing In Las Vegas„) gewährte dem zweimaligen Oscarpreisträger Waltz (als bester Nebendarsteller in eben jenen beiden Filmen) alle schauspielerischen Freiheiten, um die Rolle in „The Zero Theorem“ nach seinen Vorstellungen auszufüllen. Kein Wunder, dass dabei etwas völlig Verrücktes rausgekommen ist.

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Qohen Leth bei der Arbeit, bei der ihm das Management ständig über die Schulter guckt (© Concorde)

Die Handlung: In der nahen Zukunft arbeitet Computerfreak Qohen Leth bei einem ominösen Konzern, den er jeden Morgen äußerst widerwillig aufsucht. Der kahlköpfige Sonderling kann die wuselige Welt da draußen nicht ertragen und empfindet nur in seiner Wohnung, einer alten Kirche mitten in der hochtechnisierten Stadt, so etwas wie Ruhe. Außerdem wartet er seit Jahren auf einen wichtigen Anruf, der jederzeit kommen könnte. Als ihm das „Management“ gestattet zu Hause zu arbeiten, nimmt Qohen im Gegenzug einen schwierigen Auftrag an: Er soll das Zero Theorem entschlüsseln, das nicht weniger als den Sinn des Lebens erklärt.

Doch das Computergenie, das fest davon überzeugt ist, bald (auch das englische Wort funktioniert hier) sterben zu müssen verzweifelt an der Aufgabe und bekommt zudem zusehends Konzentrationsprobleme: Qohens Abteilungsleiter Joby (David Thewlis aus „Harry Potter„) hat das Cyber-Callgirl Bainsley (Mélanie Thierry) auf den schüchternen Einzelgänger angesetzt. Mit der hübschen Lady konfrontiert, taut der schräge Kauz sogar ein bisschen auf – kommt es eventuell sogar soweit, dass er irgendwann nicht mehr von sich in der dritten Person spricht? Und wird er das Zero Theorem trotzdem lösen?

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Schwester, können Sie mir bitte einen …(© Concorde)

Ich werde mich jetzt nicht an einer Interpretation des Films versuchen – der muss sich erst noch mal ein bisschen setzen. Ich denke aber, es geht im Kern u. a. um die Vereinsamung des Individuums in einer hochtechnisierten Gesellschaft, um die beinahe katatonische Lethargie, die uns befällt, wenn wir in der Abgeschiedenheit unserer eigenen Wände die Cyber-Welt bereisen. Das passive Warten auf einen Moment der Erlösung, statt aktiv das Leben zu gestalten. Und dann stehst du irgendwann am Ende deines Lebens – und der Moment kam einfach nicht von selbst.

Waltz verleiht der sonderbaren Figur des Qohen Leth mit seinem gewohnt perfekten Spiel eine kuriose Mischung aus Mitleid, Faszination und Humor und trägt den Film spielend auf seinen Schultern. Um ihn herum trollen sich mit Thewlis, Thierry, Matt Damon und Tilda Swinton zudem ein paar weitere erstklassige Mimen.

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Qohen Leth muss bald sterben. Behauptet er jedenfalls.(© Concorde)

Ich kann mir vorstellen, dass es viele Leute gibt, die mit „The Zero Theorem“ nichts anfangen können. So wirklich bin ich mir auch noch nicht sicher, was ich von diesem schrillen Sci-Fi-Phantasmagorium halten soll. Aber erfahrungsgemäß sind genau die Filme, die man zunächst nicht so wirklich einordnen kann, meistens die interessantesten. Wer ein paar andere Terry-Gilliam-Filme (wie z. B. „12 Monkeys“, „Brazil“, „Time Bandits“, „Brothers Grimm“) kennt und diese auch mochte, sollte sich unbedingt selbst eine Meinung zu „The Zero Theorem“ bilden.

Hier der Trailer:

Und hier das Cover:

The-Zero-Theorem-Cover

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Das kann ich wohl ganz okay, weil ich jahrelang als Redakteur für diverse Film-Magazine gearbeitet habe. Ein feuchtes Höschen bekomme ich bei den „The Raid“-Filmen und „Deadpool“, aber auch Melancholisches wie „Into The Wild“ oder „Only Lovers Left Alive“ und Dänenkomödien à la „Adams Äpfel“ erfreuen mein Herz. Musikalisch kann man mich z. B. mit Ghost, Kvelertak, Mantar und, klar, Maiden gefügig machen. Meine Website: benrocks.de! – oder checkt doch mal @Foitzinger auf Snapchat aus!

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