Stark inszeniert: Branaghs Clancy-Thriller JACK RYAN

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Stark inszeniert: Kenneth Branaghs Clancy-Thriller JACK RYAN – SHADOW RECRUIT

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Jack Ryan

Dieser Typ ist einfach nicht kleinzukriegen: Zum mittlerweile fünften Mal wurde Tom Clancys Romanheld Jack Ryan für die große Leinwand adaptiert. In „Jack Ryan – Shadow Recruit“ macht der Oldschool-Haudegen das, was er schon immer gemacht hat: böse Russen bekämpfen.

Ganz so oldschool ist Kenneth Branaghs Thriller dann aber doch nicht: Immerhin spielt hier zum ersten Mal „Star Trek„-Captain Chris Pine die Titelrolle und tritt damit in die Fußstapfen von Alec Baldwin („Jagd auf Roter Oktober“ 1990), Harrison Ford („Die Stunde der Patrioten“ 1992, „Das Kartell“ 1994) und Ben Affleck, der Clancys Agenten im 2002er „Der Anschlag“ spielte. Allerdings – um das mal vorwegzunehmen – geht Pine ein wenig das kernige Charisma ab, das man mit der Figur Jack Ryan verbindet. Er wirk ein wenig austauschbar in diesem ansonsten ziemlich spannenden und vor allem stark inszenierten Kaltkrieg-Thriller.

Schnieker Typ: Kevin Costner kann sich immer noch sehen lassen (© Paramount)

Schnieker Typ: Kevin Costner kann sich immer noch sehen lassen (© Paramount)

Worum es geht: Nach den Anschlägen von 9/11 schreibt sich der junge Student Ryan bei der Army ein, um – braver Bub! – seinem Land im Kampf gegen den Terror zu dienen. Als er über Afghanistan mit einem Heli abgeschossen wird, sieht es zunächst so aus, als könnte er nicht wieder laufen. Doch dank seines eisernen Willens und der Motivationshilfe von Medizinstudentin Cathy (Keira Knightley) gewinnt er den Kampf und dreht schon bald wieder joggend seine Runden im Krankenstift.

Prompt wird der Kriegsheld (der nach dem Heli-Absturz natürlich noch diverse Kameraden aus dem brennenden Wrack rettete) auch wieder rekrutiert: CIA-Agent Harper (Kevin Costner) hat einen Aufsatz Ryans über Wirtschaftsterrorimus gelesen und will den cleveren Burschen in seinem Team haben. Ryan wird als Undercover-Ermittler an der Wall Street eingeschleust, um verdächtige Marktentwicklungen zu analysieren.

Mitten hinein in den Kalten Krieg: Ryan ist allein in Moskau - ob der Hundeblick hilft? (© Paramount)

Mitten hinein in den Kalten Krieg: Ryan ist allein in Moskau – ob der Hundeblick hilft? (© Paramount)

Zehn Jahre später ist es dann soweit: Ryan findet heraus, dass die russischen Partner seiner Wall-Street-Firma geheime Konten führen, in denen Geld verschwindet. Also wird er – sehr zum Verdruss seiner eifersüchtigen Freundin (ist klar, wer das ist, oder?) – wieder ins Feld geschickt und soll in Russland dem Industriemagnaten Viktor Cherevin (Branagh persönlich) auf den Zahn fühlen, dem die Konten gehören. Und plötzlich ist er mittendrin in einem tödlichen Spiel, das das Ende der freien (westlich-kapitalistischen) Welt herbeiführen könnte.

Inszenieren kann Kenneth Branagh (der zuletzt den ersten „Thor“ gemacht, als Regisseur aber vor allem durch seine famosen Shakespeare-Verfilmungen und die gelungene „Frankenstein“-Adapion von 1996 bekannt geworden ist) wie kein Zweiter – auch „Jack Ryan“ profitiert deutlich vom guten Gespür des Iren für düstere Bildkompositionen und rasante Action-Sequenzen und ist daher definitiv ein Tipp für Freunde spannender Agenten-Thriller. Zumal sich auch das Schauspiel-Ensemble sehen lassen kann: Costner gibt den eleganten Agenten-Veteran (im bald erscheinenden „3 Days To Kill“ darf er das dann auch in der Hauptrolle machen), Branagh den garstigen Kommunistenterroristen und Knightley darf mal kurz die sexy Damsel in distress sein. Leider bleibt wie gesagt ausgerechnet Pine ein wenig blass in seiner Rolle.

Typ "Böser Russe": Kenneth Branagh als Cherevin (© Paramount)

Typ „Böser Russe“: Kenneth Branagh als Cherevin (© Paramount)

Was mir persönlich nicht ganz so gut gefiel, war das schwarz-weiße Gut-Böse-Schema des Films: Der idealistische Superamerikaner Ryan bekämpft den von Amerika-Hass getriebenen bösen Russentycoon – dieses Szenario haben wir inzwischen eigentlich schon ein bisschen zu oft gesehen. Allerdings muss man ja auch sagen, dass die Kalter-Krieg-Thematik im momentanen Weltgeschehen leider wieder aktueller wird. Und sowieso: Clancys erste Ryan-Romane sind in den frühen 80ern entstanden – kein Wunder also, dass es Jack Ryan dem Zeitgeist der antikommunistischen Reagan-Regierung gemäß stets mit russischen Terroristen zu tun bekommt. Im Jahr 2014 wirkt das trotzdem ein bisschen… abgehangen.

Wie auch immer: Als düsterer Thriller funktioniert „Jack Ryan – Shadow Recruit“ für sich selbst ziemlich gut und dürfte somit keinen Genrefreund enttäuschen.

Hier der Trailer:

Jack Ryan - Cover

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Das kann ich wohl ganz okay, weil ich jahrelang als Redakteur für diverse Film-Magazine gearbeitet habe. Ein feuchtes Höschen bekomme ich bei den „The Raid“-Filmen und „Deadpool“, aber auch Melancholisches wie „Into The Wild“ oder „Only Lovers Left Alive“ und Dänenkomödien à la „Adams Äpfel“ erfreuen mein Herz. Musikalisch kann man mich z. B. mit Ghost, Kvelertak, Mantar und, klar, Maiden gefügig machen. Meine Website: benrocks.de! – oder checkt doch mal @Foitzinger auf Snapchat aus!

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