Norbert Heitker, Regisseur von WACKEN 3D, im Interview

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Norbert Heitker, Regisseur der wunderschönen Festival-Doku WACKEN 3D, im Interview

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Wacken 3D

Kürzlich haben wir euch ja schon die überaus gelungene Doku „Wacken 3D“ ans Herz gelegt, die derzeit – kurz vor Startschuss des 25. Wacken Open Airs am 30. Juli – in ausgewählten Kinos läuft und absoluter Pflichttermin für Wackengänger und Metalheads im Allgemeinen ist (und die, die beides noch werden wollen). Von Begeisterung über diese einfühlsame und coole Festival-Doku, die das einzigartige Wacken-Flair wunderbar rüber bringt, getrieben, haben wir uns Regisseur Norbert Heitker zur Brust genommen und ihm ein paar Fragen zu seinem Film gestellt. So leset hier! Und schauet euch danach gefälligst „Wacken 3D“ im Kino an, so noch nicht geschehen.

„Auf anderen Festivals gibt es diese Atmosphäre nicht“

Norbert, „Wacken 3D” ist endlich mal eine Doku, die den besonderen Geist von Wacken einfängt. Aus dem TV kennt man ja diese reißerischen Geschichten, wo sich ein Reporter übers Festival schleppt und besoffene Metalheads vor die Kamera holt.

Das Problem hast du ja immer mit diesen rasenden Reportern – das sind Leute, die mit der Szene nichts zu tun haben und sich auch nie mit ihr auseinandergesetzt haben und somit überhaupt nicht wissen, worüber sie reden. Dementsprechend werden diese Interviews geführt und man hat immer das Gefühl, dass diese Leute im Vordergrund stehen: Sie laufen durch die Gegend und halten ihr Mikro hin, und die Leute, die dann vor die Kamera kommen, sind meistens auch Leute, die nicht viel zu sagen haben. Das ist ja oft so: Die, die vor die Kamera springen, sind meistens die uninteressantesten. Da sind wir ja auch schon bei den Protagonisten, die wir jetzt in unserem Film haben: Das sind normale Fans, und wir haben auch versucht darauf zu achten, dass das die Range zeigt, die du in Wacken hast. Das macht Wacken ja so besonders und spannend, dass du 15-Jährige und 80-Jährige hast, Leute aus Asien, aus Süd- oder Nordamerika, sogar aus Afrika.

Norbert Heitker gibt Anweisungen. (© ICS Festival Service GmbH)

Norbert Heitker gibt Anweisungen. (© ICS Festival Service GmbH)

Du selbst hast keinen Metal-Background und musstest dich erst mal in die Szene reinrecherchieren.

Das wusste ich sofort, als ich 2012 zum ersten Mal selber auf dem Wacken war – da hatte ich noch gar keinen Plan, was man dort für einen Film machen könnte. Ich hab mich gefreut, ein paar Bands live zu sehen – Machine Head zum Beispiel, die wollte ich immer mal live sehen, denn ich höre das sehr gern beim Autofahren (lacht). Ich bin auch ein großer Motörhead-Fan. Ich liebe auch alte Metal-Bands wie Black Sabbath – wenn du die nicht magst, hast du halt was verpasst. Bevor ich „Wacken 3D“ anging, musste ich mich aber unbedingt mit der Szene auseinandersetzen. Man kann keinen Film machen, wenn man nicht versteht, warum Menschen lange Haare haben, eine Kutte tragen oder sich weiß anmalen, was Bandshirts bedeuten, welche Bands wichtig sind, wie die Szene aufgebaut ist und so weiter. Diesen Background muss man haben, nur so kann man einen ehrlichen Film machen. Das ist bei anderen Dokus oft das Problem: Es ist so platt und oberflächlich und sie gehen nicht tiefer.

Stichwort Motörhead – ihr zeigt ein bisschen vom Live-Auftritt, aber dass Lemmy abbrechen musste, kommt nicht im Film vor. Wäre das nicht auch eine Chance gewesen zu zeigen, dass eben auch Szene-Götter wie er nur Menschen sind?

Zunächst mal war ich ja sehr glücklich, dass Motörhead überhaupt gekommen sind, das stand ja bis zum Schluss gar nicht wirklich fest. Aber sie wollten hier spielen, weil sie Wacken wichtig finden und zu Wacken dazu gehören. Es war dann aber auch relativ früh klar, dass die Band das als Bonus angesehen hat und dass es kein volles Set werden würde. Das ist ja letztlich auch nicht so ein großes Drama gewesen. Klar, die Tagespresse schreibt „Oh mein Gott, Lemmy bricht in Wacken zusammen, Notarzt, Hubschrauber“ – das gab’s ja alles gar nicht. Lemmy ist von der Bühne gegangen und hat gesagt „Mir reicht’s, ich bin durch für heute“. Er war einfach nicht fit, aber da konntest du keine große Geschichte draus machen. Es fehlten ja auch die Bilder dazu – was soll ich denn da erzählen? Da ist kein Hubschrauber, und Lemmy hängt auch nicht an einer Gondel und schwebt über Wacken (lacht).

Wacken-Coolness-Check: bestanden! (© Wüste Film/Jumpseat, Foto: Nicole Malonnek)

Wacken-Coolness-Check: bestanden! (© Wüste Film/Jumpseat, Foto: Nicole Malonnek)

Und die Interviews mit den Bands sind auch alle vor Ort entstanden?

Größtenteils, ja. Nur Mikkey Dee habe ich später interviewt, weil an dem Tag selbst einfach zu viel Chaos war. Ansonsten ist alles dort entstanden. Das vergessen die Leute ja auch oft, dass dieser Film zu 90 Prozent in vier Tagen entstanden ist. Natürlich ist sehr viel geplant, ich habe mir wirklich vorher alle 130 Bands durchgehört und mir gezielt überlegt, welche Bands ich in diesem Film zeigen will, damit man überhaupt diese Range hat, die in Wacken stattfindet. Das wissen ja die meisten Leute auch nicht, dass man dort eben nicht nur den klassischen Heavy-Metal-Sound hört, sondern alles Mögliche. Man musste sich also vorher überlegen, welche Songs man haben will – das hat schon seinen Grund, wenn ich von Anthrax „I’m The Law“ nehme oder wenn am Ende Alice Cooper mit „School’s Out“ kommt, denn all das, was Alice Cooper macht, dafür steht Wacken auch: Es geht darum, dass Leute vier Tage Spaß haben. Und deswegen steht Rammstein zum Beispiel nicht am Ende. Viele Dramaturgen sagen bestimmt: „Rammstein, größter Auftritt, muss ans Ende!“ Aber Rammstein ist nicht Wacken. Rammstein haben dort zum ersten Mal gespielt und es ist ein sensationeller Auftritt, bei dem du im Kino eine Gänsehaut bekommst. Aber es wäre ein falsches Zeichen, mit einer deutschen Band auf einem deutschen Festival zu enden, das wollte ich nicht – für mich war Alice Cooper ein super Abschluss.

Immer wieder grandios: die Wacken-Atmo (© ICS Festival Service GmbH)

Immer wieder grandios: die Wacken-Atmo (© ICS Festival Service GmbH)

War es dir bei dem Film auch wichtig, das generationenübergreifende Element des Metal zu zeigen? Es kommen ja sowohl alte Haudegen wie Alice Cooper, Deep Purple und Motörhead, aber auch junge erfolgreiche Bands wie Trivium vor.

Biff Byford von Saxon sagt da genau das Richtige im Film: „You can have Deep Purple and Rammstein, and the people will be there and they go nuts – and that’s the beauty of Wacken.“ Das macht es eben aus, dass dort sowohl auf Band- als auch auf Fanseite mehrere Generationen zusammenkommen: Du hast einen 15-jährigen Fan und einen 80-jährigen, diese Mischung hast du nur in Wacken. Auf anderen Festivals gibt es so was nicht. Ich habe gerade auf dem Hurricane gearbeitet, da ist das Durchschnittsalter Anfang 20, und deswegen gibt es diese Atmosphäre da überhaupt nicht. Ein Alice Cooper hat Ende der 60er angefangen – und 2013 steht der immer noch auf der Bühne und macht eine Riesenshow, bei der alle, auch 18- und 19-Jährige, mit offenem Mund dastehen und sagen „Ach du Scheiße, geil!“ Und daneben hast du dann eine junge Band wie Trivium, die den Nachwuchs repräsentiert. Klar, das wird in der Szene natürlich immer kontrovers diskutiert: „Ja, neee, nich so gut“ und so, aber das ist doch toll, dass du auch diese ganzen jungen Bands hast, zum Beispiel auch beim Metal Battle. Selbst viele Besucher bekommen ja gar nicht mit, dass es diesen Metal Battle überhaupt gibt, bei dem es tolle Musik und Nachwuchsbands gibt. Dass Wacken das überhaupt macht – da verdienen sie ja kein Geld mit, da zahlen sie drauf. Aber sie geben den Bands diese Chance, Wacken zu besuchen und ihre Musik diesen ganzen Leuten zu zeigen. Und wenn man dann sieht, wie die Leute bei diesen Bands abgehen, das ist einfach großartig. Von vielen Leuten habe ich jetzt gehört, dass sie jetzt extra einen Tag früher am Mittwoch kommen wollen, um sich einfach mal diese Bands anzugucken. Da verpasst man echt was!

Vielen Dank für das Gespräch und diesen schönen Film, lieber Norbert.

Wir sehen uns… in Wacköööön!

Hier der EMP-exklusive Trailer von „Wacken 3D“:

Wacken 3D - Plakat

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Das kann ich wohl ganz okay, weil ich jahrelang als Redakteur für diverse Film-Magazine gearbeitet habe. Ein feuchtes Höschen bekomme ich bei den „The Raid“-Filmen und „Deadpool“, aber auch Melancholisches wie „Into The Wild“ oder „Only Lovers Left Alive“ und Dänenkomödien à la „Adams Äpfel“ erfreuen mein Herz. Musikalisch kann man mich z. B. mit Ghost, Kvelertak, Mantar und, klar, Maiden gefügig machen. Meine Website: benrocks.de! – oder checkt doch mal @Foitzinger auf Snapchat aus!

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