Jetzt im Kino: das grandiose Weltraum-Kammerspiel GRAVITY

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Jetzt im Kino: das grandiose Weltraum-Kammerspiel GRAVITY

| 4 Kommentare

Gravity

Die Lobeshymnen zu Alfonso Cuaróns neuem Film „Gravity“ überschlagen sich derzeit geradezu: Es fallen Wörter wie „Wunder“, „Triumph“ oder „virtuos“. Ist die Weltraum-Odyssee mit Sandra Bullock und George Clooney wirklich so gut, oder tut sie nur so?

Sagen wir es mal so: Wer sich „Gravity“ aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen NICHT im Kino reinzieht, dürfte sich hinterher kräftig in den eigenen Popo beißen. Denn, zunächst mal ganz unabhängig von der Story des Films: die fantastische Optik, die grandiosen Special Effects und der starke 3D-Effekt (für mich neben „Avatar“ im Prinzip der einzige 3D-Film, der diesen Namen auch verdient) sind eine Klasse für sich. So etwas visuell Berauschendes sieht man nur ganz selten im Kino. Ich hab immer noch Gänsehaut auf der Iris.

Ringelpiez im Weltall: Sieht romantisch aus, ist aber Überlebensterror pur (Gravity © Warner)

Ringelpiez im Weltall: Sieht romantisch aus, ist aber Überlebensterror pur (Gravity © Warner)

Die Story mag zunächst etwas fade klingen: Bei einer Space-Shuttle-Mission im All, der (ironischerweise) ersten für Medizintechnikerin Dr. Ryan Stone (Bullock) und der (ironischerweise) letzten des Astronauten-Veteranen Matt Kowalski (Clooney), kommt es zur Katastrophe, als ein Haufen Weltraumschrott das Shuttle zerfetzt – niemand von der Crew überlebt, außer Stone und Kowalski, die gerade bei einem Außeneinsatz in ihren Raumanzügen unterwegs waren. Hilflos treiben die beiden im All und versuchen, sich zur ISS-Station durchzuschlagen. Doch der Sauerstoffvorrat geht zur Neige, dito für den Steuerantrieb von Kowalskis Anzug. Und in 90 Minuten kommt ja auch schon wieder der in der Umlaufbahn kreisende Satellitenmüll vorbei. Der Beginn eines im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Überlebenskampfes, 372 Meilen über der Erde.

Per Abschleppseil durchs All (Gravity © Warner)

Per Abschleppseil durchs All (Gravity © Warner)

Geschickt spielt Cuarón, Regisseur von Hits wie „Y Tu Mamá También – Lust for Life“ oder „Children of Men“, mit den menschlichen Urängsten vor dem endlosen All, das zugleich aber auch eine magische Faszination ausstrahlt. Teilweise versetzt er den Zuschauer direkt in den Raumanzug, wenn er mit subjektiver Kamera die Panik aus der Sicht von Bullocks Charakter spürbar macht. Bis ihr pumpender Herzschlag schließlich zum eigenen wird und man sich so tief in den Kinosessel gekrallt hat, dass sie einen am Ende dieses 90-minütigen Weltraum-Thrills wieder rausfräsen müssen.

Noch unmittelbarer wird der Trip durch den, wie bereits angedeutet, grandiosen 3D-Effekt: Wenn einem in der Raumstation Blutstropfen, Tränen und Schachfiguren (gefühlt) um die eigenen Ohren gleiten, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus und gravitiert nur noch stärker zum Kern dieses packenden Survival-Abenteuers. Das, um auch mal ein Barthaar in der Suppe zu suchen, freilich auch einige kleine Schwächen hat: Cuarón, der auch am Drehbuch mitwerkelte, verpasst Bullocks Figur eine etwas übertrieben rührselige Backstory, und auch das in der zweiten Filmhälfte immer präsenter werdende Streicher-Pathos ist ein bisschen zu dick aufgetragen. Das hätte dieser fantastische Film doch eigentlich gar nicht nötig gehabt.

Bullock versucht's per Anhalter durch die Galaxis (Gravity © Warner)

Bullock versucht’s per Anhalter durch die Galaxis (Gravity © Warner)

Wohlgemerkt: Das soll kein krampfhaftes Rumgenörgle sein. Ist nur eine winzige Kleinigkeit, die das überwältigende, hypnotische Momentum dieses an Sci-Fi-Klassiker wie Stanley Kubricks „2001“ erinnernden Meisterwerks nicht im Geringsten ausbremst.

Fakt ist: Ich hätte gleich danach noch ein zweites Mal reingehen können. Und das passiert vielleicht bei einem von 50 Filmen.

Houston in the blind: Welt(raum)klasse!

Hier der Trailer:

Gravity

Autor: Ben

Moin! Ich bin Ben und schreibe seit 2013 für den EMP-Filmblog. Das kann ich wohl ganz okay, weil ich jahrelang als Redakteur für diverse Film-Magazine gearbeitet habe. Ein feuchtes Höschen bekomme ich bei den „The Raid“-Filmen und „Deadpool“, aber auch Melancholisches wie „Into The Wild“ oder „Only Lovers Left Alive“ und Dänenkomödien à la „Adams Äpfel“ erfreuen mein Herz. Musikalisch kann man mich z. B. mit Ghost, Kvelertak, Mantar und, klar, Maiden gefügig machen. Meine Website: benrocks.de! – oder checkt doch mal @Foitzinger auf Snapchat aus!

4 Kommentare

  1. Zunächst dachte ich ja: Okay, wieder so ein Film. Schön. Aber nachdem ich jetzt diesen Artikel gelesen habe, muss ich sagen, dass es mich doch reizt mir diesen Film im Kino anzusehen. Mal schauen, wer mitkommt.

  2. Ich mag Science Fiktion eigentlich gar nicht. Vor allem nach Prometheus nicht mehr. Der Film war einfach nur schlecht. Gravity allerdings hat, denke ich, ne Chance verdient. Sogar bei mir! Bin gespannt.

  3. Prometheus mochte ich auch überhaupt nicht.
    Das Gute bei Gravity: Im Prinzip ist es ja gar kein Science-Fiction-Film, sondern eher ein Action-Drama im Weltall.
    Wenn ihr reingeht, sagt doch mal an, wie ihr ihn fandet. Tät mich interessieren.
    Cheers!
    Ben

  4. Ich werde bestimmt reingehn und erstatte dann Bericht! :) Prometheus war nur von den Special Effects gut. Der Rest so ein grottiger Schrott. Stell mal vor du hängst im All fest. Bei vollem Bewußtsein. Rundherum : NICHTS und ALLES. Gruselig.

  5. Pingback: Rückblick: Das waren die Academy Awards 2014

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